· Pressemitteilung

„Kinderrechte enden nicht an der Bildschirmkante“

DRK-Landesverband Schleswig-Holstein diskutiert im Landeshaus über Medienkompetenz, Resilienz und Verantwortung im digitalen Raum

Kinder und Jugendliche bewegen sich selbstverständlich in digitalen Räumen. Doch wie können sie dort sicher und selbstbewusst unterwegs sein? Und wer trägt Verantwortung, wenn digitale Plattformen Risiken für junge Menschen bergen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Parlamentarischen Abends des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein im Landeshaus. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis diskutierten gemeinsam über den digitalen Raum und eine gesamtgesellschaftliche Mammutaufgabe.

„Kindeswohl muss auch digital gelten. Kinderrechte enden nicht an der Bildschirmkante“, betonte Torsten Geerdts, Präsident des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein, zum Auftakt. Schutz, Teilhabe und Befähigung müssten gemeinsam gedacht werden. Gleichzeitig dürfe die Verantwortung nicht allein bei Familien und pädagogischen Fachkräften liegen. „Wir können von Familien nicht verlangen, dass sie allein gegen Geschäftsmodelle digitaler Plattformen ankämpfen“, so Geerdts.

Dr. Dorit Stenke, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes, erklärte: „Wir haben vor drei Jahren an allen Grundschulen geregelt, dass keine Handynutzung im Unterricht stattfindet.“ Und das seien immerhin schon ein paar Stunden am Tag, wo die Handys nicht benutzt werden, so Stenke. Im vergangenen Jahr wurde diese Regelung auf weiterführende Schulen bis einschließlich Klassenstufe neun ausgeweitet. „Das Beste ist, das Ding rappelt gar nicht an einem herum, sondern ist ganz woanders.“ Gleichzeitig würden digitale Medien weiterhin gezielt im Unterricht eingesetzt — Medienbildung sei trotz allem notwendig und wichtig für Heranwachsende, betonte Dr. Dorit Stenke. 

Clemens Beisel drückte den Finger an diesem Abend in die digitale Wunde. Der Sozialmanager zeigte in seiner Präsentation u.a. Kurzvideos, mit pornographischen, gewaltverherrlichenden und durch KI realitätsverzerrenden Inhalten, die ungefiltert auf den gängigen sozialen Plattformen verbreitet werden und tagtäglich auf Kinder und Jugendliche einströmen. Hier sei die enge Begleitung der Kinder durch die Eltern erforderlich, so Beisel. Doch dabei handle es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch die Bildungseinrichtungen betreffe. „Es geht hier nicht um ein Handyverbot, sondern darum, dass man die Geräte für einen sinnvollen Einsatz auch nutzen kann. Aber ich fände es auch schon ein wichtiges Learning, dass man jungen Menschen besser beibringt als uns Erwachsenen, dass ein Handy manchmal eine Pause braucht, wenn man sich konzentrieren muss. Das würde uns Erwachsenen auch guttun. Wir müssen auch noch lernen.“ Studien belegten, so Beisel, dass wir das Handy 88mal am Tag entsperren, das heißt, alle elf Minuten vor den Augen haben. „Wir brauchen nicht nur digitale Angebote für Kinder und Jugendliche. Wir sollten uns freuen über Kindergeschrei in öffentlichen Räumen, wir brauchen Bolzplätze, wir brauchen offene und mobile Jugendarbeit“, forderte Beisel.

Auf dem Podium diskutierten anschließend Nadine Lenschau, Vorstandssprecherin des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein, Dr. Dorit Stenke, Benjamin Holm, Geschäftsführer des Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein, Landesschüler*innensprecherin Joyce Peters (18), Jugendrotkreuz-Mitglied Frida Hanna Kolasinski (13) und Clemens Beisel. Peters und Kolasinski schilderten ihre eigenen Erfahrungen mit sozialen Medien und verstörenden Inhalten auf TikTok und anderen Plattformen. Dabei wurde deutlich, dass Eltern die digitale Lebenswelt ihrer Kinder häufig nur eingeschränkt bis gar nicht kennen.

Für Nadine Lenschau ist deshalb die Beteiligung junger Menschen ein zentraler Bestandteil des Kinderschutzes: „Wir sollten Kinder und Jugendliche nicht nur fragen, wie wir sie vor den Risiken der digitalen Welt schützen. Wir sollten sie befähigen, sich selbst und andere darin zu schützen – und ihnen zugleich die Gewissheit geben: Wenn es schwierig wird, bist du nicht allein.“ Lenschau stellte abschließend die anonyme, digitale und bundesweite Beratungsplattform des DRK „RealTalk“ vor, auf der Jugendliche mit anderen qualifizierten, ehrenamtlichen Jugendlichen chatten und Kontaktadressen zu analogen Unterstützungs- und Hilfsangeboten zu Themen wie Stress in der Schule, Cyber-Mobbing, Einsamkeit, Liebeskummer, psychische Belastungen usw. erhalten können. Diese Plattform sei eines von weiteren für die Zukunft notwendigen flächendeckenden Angebote, um die Resilienz und Medienkompetenz jedes/jeder Einzelnen zu stärken, sagte Nadine Lenschau.

Der DRK-Landesverband Schleswig-Holstein hatte für den Parlamentarischen Abend eine Kinderbetreuung für die Gäste auf die Beine gestellt. In einem Nebenraum spielten und malten fünf Kinder zusammen mit Betreuungskräften, während ihre Eltern der Veranstaltung des DRK-Landesverbandes beiwohnten.

DRK-Positionspapier zum Kindeswohl im digitalen Zeitalter

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