Exkurs: Die ersten Delegierten der Rotkreuzgeschichte

Verwundete Soldaten wurden in den Kriegen des 19. Jahrhunderts oft ihrem Schicksal überlassen. Sie starben nach langen Qualen auf dem Schlachtfeld.


Ein unhaltbarer Zustand!

SchlachtVonSolferino1859
Schlacht von Solferino 1859

Rotkreuzgründungsvater Henry Dunant wurde nach der Schlacht von Solferino 1859  zufällig Zeuge dieser Not. Er leiste Hilfe und forderte auch andere dazu auf. Und er schrieb das Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ in dem er die Gräuel detailliert schilderte und die Not der verwundeten Soldaten beschrieb. Er schlug darin  vor, alle Verwundeten und das Sanitätspersonal unter Schutz zu stellen und dabei nicht zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.

Die weltweite Rotkreuzbewegung wurde auf einer internationalen Konferenz im Oktober 1863 gegründet, um dies durchzusetzen.

Deutsch-dänischer Krieg: nach dem Sturm auf die Düppeler Schanzen am 18. April 1864
Deutsch-dänischer Krieg: nach dem Sturm auf die Düppeler Schanzen am 18. April 1864

Am 1. Februar 1864 brach der Deutsch-Dänische Krieg aus. Im März dieses Jahres sandte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, ein Gremium aus fünf Schweizer Bürgern, den schweizer Arzt Dr. Louis Appia und den holländischen Hauptmann Charles van de Velde als erste Rotkreuzdelegierte der Weltgeschichte auf den Kriegsschauplatz.

Ihr Auftrag:

  • Hinwirken auf eine gute Versorgung der Kriegsverwundeten.
  • Überprüfen, wie sich die im Gründungsdokument der internationalen Rotkreuzbewegung niedergelegten Beschlüsse zur Linderung der Not Kriegsverwundeter praktisch umsetzen lassen.
  • Berichterstattung an die Genfer Rotkreuzzentrale.
Dr. Louis Appia
Dr. Louis Appia
Charles van de Velde
Charles van de Velde
Preußisches Feldlazarett vor Düppel
Preußisches Feldlazarett vor Düppel

Dr. Louis Appia erfüllte seine Delegiertenpflicht auf der Seit der preußisch-österreichischen Kriegspartei, Charles van de Velde auf der dänischen.

Am 22. August 1864 wurde die Erste Genfer Konvention auf einer diplomatischen Konferenz unterzeichnet. Zu den Signatarstaaten auch Preußen und Dänemark.
Damit waren die Schutzvorschriften für Verwundete und das Sanitätspersonal vertraglich vereinbart.

Im Jahr 1989 wurde den ersten Rotkreuzdelegierten der Weltgeschichte in Düppel ein Gedenkstein gesetzt.

Rotkreuz-Gedenkstein in Düppel
Rotkreuz-Gedenkstein in Düppel

Seitdem treffen sich dort jedes Jahr am 22. August Rotkreuzrepräsentanten aus Deutschland und Dänemark um der Rotkreuzdelegierten Dr. Louis Appia und Charles van de Velde und der Kriegstoten und Verwundeten zu gedenken.

Gleichzeitig wird an die Unterzeichnung der ersten  Genfer Konvention erinnert. Diese Vereinbarung steht am Beginn des modernen humanitären Völkerrechts.

Heute gibt es vier Genfer Konventionen, ergänzt durch drei umfangreiche Zusatzprotokolle.