Leben mit Behinderung Hamburg
Carla-Teigeler-Haus
Interviewpartnerin: Sabine Siepmann, Leiterin der 4 Wohngruppen im Carla-Teigeler-Haus
Welche Aufgaben hat eine FSJlerin / FSJler bei Ihnen?
Das Betreuungskonzept unserer Wohngruppen soll behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, welches sich so weit wie möglich an der Normalität orientiert. Die Mitarbeiter einer Wohngruppe bieten dabei, je nach Grad der Behinderung, Unterstützung, Assistenz und aktive Hilfestellung in allen Bereichen des täglichen Lebens. So erhalten die Bewohner/innen z.B. Unterstützung im Bereich der Haushaltsführung (Kochen, Einkaufen, Wäschepflege, etc.) und es werden Hilfen bei der Planung und Gestaltung sowie der Durchführung von Freizeitaktivitäten angeboten. Die Mitarbeiter leisten auch pflegerische Hilfestellungen im Rahmen der Grundpflege und sind für die Organisation des täglichen Wohngruppenablaufes verantwortlich.
Darüber hinaus sind die Mitarbeiter wichtige Vertrauenspersonen, die die Bewohner/innen in der Wahrnehmung ihrer Interessen und bei der Klärung von Problemen unterstützen. Die FSJler sind mit ihren Aufgaben voll in den Arbeitsablauf der pädagogischen Mitarbeiter integriert und nehmen daher auch an den regelmäßig stattfindenden Dienstbesprechungen teil.
Was können die jungen Freiwilligen persönlich und fachlich bei Ihnen lernen?
Auf der persönlichen Ebene kann man bei uns etwas „fürs Leben“ lernen wie man so schön sagt. Gerade ganz junge Leute die noch nie in einer eigenen Wohnung gelebt haben können sehr viele lebenspraktische Dinge lernen wie z.B. Kochen, Einkaufen und Haushaltsführung. Man lernt aber auch Verantwortung für sein eigenes Handeln und für andere Menschen zu übernehmen.
Wer sich mit dem Gedanken trägt einen medizinisch/therapeutischen, pflegerischen oder pädagogischen Beruf zu ergreifen schafft sich im FSJ eine solide praktische Grundlage für die spätere Ausbildung.
Worauf liegen Sie als FSJ-Einsatzstelle größten Wert?
Wir wünschen uns motivierte MitarbeiterInnen, die Lust haben mit Menschen zu arbeiten und bereit sind etwas zu lernen. Darüber hinaus ist in unserer Arbeit Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein unentbehrlich.
Außerdem ist es im Wohngruppenbereich erforderlich, dass die Bereitschaft zum Schichtdienst vorhanden ist.
Was begeistert Sie am FSJ bzw. an den FSJler / -innen??
Grundsätzlich empfinden wir den Einsatz von FSJler / -innen als eine Bereicherung unserer Arbeit. Abgesehen davon, dass ihre tatkräftige Unterstützung aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken ist, tragen die Fragen, Anregungen und Ideen, der FSJler / innen dazu bei, dass wir unsere Arbeit regelmäßig hinterfragen müssen. Das ist im sozialen Bereich grundsätzlich wichtig um nicht in eintönige Routine abzugleiten.
Besonders beeindruckend finde ich das Engagement und die Ernsthaftigkeit mit der die meisten jungen Leute ihre Aufgaben wahrnehmen. Problematisch finde ich, dass die geringe Vergütung des FSJ oft nicht im Verhältnis zu dem steht, was die FSJler / innen tatsächlich leisten.
Welche Eigenschaften sollte eine FSJlerin oder ein FSJler für die Arbeit mitbringen?
Die Fähigkeit mit anderen Menschen aktiv in Kontakt treten zu können ist genauso wichtig wie das grundsätzliche Interesse zur Auseinandersetzung mit behinderten Menschen und deren Lebensumfeld. Außerdem freuen wir uns über Menschen mit einer guten Auffassungsgabe, die motiviert sind ein gesundes Maß an Eigeninitiative in die Arbeit einzubringen.
Darüber hinaus kann man kann man eigentlich alles, was für die Arbeit in unseren Wohngruppen notwendig ist, lernen wenn die Bereitschaft dazu vorhanden ist.












